Film

F.W. Murnau - Leben und Karriere


Am 28. Dezember 1888 wird Friedrich Wilhelm Murnau als Friedrich Wilhelm Plumpe in Bielefeld geboren. Sein Vater Heinrich arbeitet als Tuchfabrikant, seine Mutter Ottilie ist Lehrerin. Murnau hat zwei Brüder, Bernhard und Robert, sowie zwei Stiefschwestern, Ida und Anna. Die Zeit in Bielefeld ist kurz, bereits 1892 zieht die Familie nach Kassel, wo Plumpe eine unbeschwerte Kindheit erlebt.

Schon früh begeistert er sich für Kunst und Theater, gefördert vor allem von seiner Mutter und seinen Schwestern. Sein Vater hingehen hält nichts von einer künstlerischen Laufbahn seines Sohnes und möchte, dass dieser Lehrer wird. 1907 schließt Friedrich Wilhelm Plumpe die Oberrealschule in Kassel mit Auszeichnung ab und geht nach Berlin, um Philologie zu studieren.

Nach einem kurzen Aufenthalt 1908/09 in Heidelberg, wo er ebenfalls für Philologie eingeschrieben ist, setzt er ab April 1909 sein Studium in Berlin fort. Hier trifft er auf Hans Ehrenbaum-Degele, mit dem ihn eine tiefe Freundschaft sowie die gemeinsame Leidenschaft für Literatur und Kunst verbinden. Gemeinsam beschließen die Freunde, nach Heidelberg zu gehen und schreiben sich dort im April 1910 für Kunstgeschichte und Literatur ein. Friedrich Wilhelm Plumpe bricht sein Studium Ende des Sommersemesters 1911 ab und wendet sich der Schauspielerei zu.

In der Folge distanziert er sich immer mehr von seiner Familie, die nur wenig Verständnis für seine berufliche Entscheidung aufbringen kann. Um 1911 nimmt er den Namen Friedrich Wilhelm Murnau an, in Erinnerung an die oberbayerische Künstlerkolonie, die er mit seinem Freund Ehrenbaum-Degele besuchte. Der Name "Plumpe" erschien ihm stets als Belastung. Er kehrt schließlich nach Berlin zurück und übernimmt dort am Deutschen Theater sowohl in Klassikern als auch in zeitgenössischen Stücken kleinere Rollen.
Im Oktober 1914 wird er zur Infanterie nach Potsdam eingezogen, 1915 zum Leutnant befördert. Sein Freund Hans, der sich freiwillig gemeldet hat, fällt 1915 an der Ostfront. Auch Murnau wird dort eingesetzt. Selbst in dieser Zeit versucht er, den Kontakt zum Theater aufrecht zu erhalten und steht in ständigem Briefwechsel mit dem Schauspielfreund und –kollegen vom Deutschen Theater, Lothar Müthel, der ihn über das kulturelle Leben in Berlin auf dem Laufenden hält.

Seinen Heimaturlaub im Sommer 1916 verbringt er bei den Eltern seines verstorbenen Freundes, in deren Berliner Villa er sich einen ständigen Wohnsitz einrichtet. 1917 meldet er sich zu den Fliegern als Beobachter. Im Dezember 1917 landen er und sein Pilot aus ungeklärten Gründen in der Schweiz und werden interniert. In dieser Zeit stürzt sich Murnau bereits wieder in Theaterproben, allerdings widmet er sich nicht mehr der Schauspielerei, sondern der Regie.

Im Februar 1919 wird er aus der Internierung entlassen und kehrt nach Berlin zurück, wo er wieder im Haus der Ehrenbaum-Degeles wohnt. Er frischt alte Kontakte wieder auf und beginnt 1919 mit den Dreharbeiten zu seinem ersten Film, DER KNABE IN BLAU. Noch im gleichen Jahr entsteht der Episodenfilm SATANAS unter der künstlerischen Leitung von Robert Wiene und mit Conrad Veidt in der Hauptrolle. In den folgenden Jahren wird Murnau zum vielbeschäftigten Regisseur.

Um 1920 dreht er sechs Filme: SEHNSUCHT, DER BUCKLIGE UND DIE TÄNZERIN, DER JANUSKOPF, ABEND - NACHT – MORGEN, DER GANG IN DIE NACHT und MARIZZA, GENANNT DIE SCHMUGGLERMADONNA. 1921 realisiert er SCHLOSS VOGELÖD, in dem Kritiker bereits Murnaus einzigartige Gabe erkennen, die Grenze zwischen Wirklichkeit und Fantasie zu verwischen.

Murnaus nächster Film NOSFERATU – EINE SYMPHONIE DES GRAUENS (1921) spielt ebenfalls mit dem fantastischen Sujet. Murnau filmt in realen Kulissen in Wismar, Lüneck, Lauenburg und Rostock. Wie auch in anderen Filmen greift er auf Motive der Malerei zurück. NOSFERATU wird zum Klassiker des deutschen Stummfilms. 1922 dreht er DER BRENNENDE ACKER und, mit erheblichem technischem Aufwand, PHANTOM nach einem Roman von Gerhart Hauptmann.

Es folgen DIE AUSTREIBUNG (1923) nach dem gleichnamigen Schauspiel von Carl Hauptmann sowie DIE FINANZEN DES GROSSHERZOGS (1923/24), die einzige Komödie Murnaus. 1924 gelingt ihm mit der ersten Ufa-Produktion DER LETZTE MANN der große Erfolg; er erhält internationale Anerkennung. Der Film erregt vor allem durch Karl Freunds "entfesselte Kamera" Aufsehen.

Noch vor der Berliner Premiere am 23. Dezember 1924 wird der Film am 5. Dezember 1924 in New York vorab einflussreichen Vertretern der Filmindustrie und der Presse gezeigt. Im Januar 1925 läuft er in Amerika offiziell unter dem Titel THE LAST LAUGH an. Mit den nächsten Filmen, TARTÜFF (1925) und vor allem mit FAUST, möchte die Ufa an den Erfolg von DER LETZTE MANN anknüpfen. Die deutsche Kritik jedoch bleibt eher verhalten, obgleich Murnau große Anerkennung für die Umsetzung des Drehbuchs erhält.

Zur Premiere von FAUST am 14.10.1926 ist Murnau bereits nicht mehr in Deutschland. Er hat mit dem amerikanischen Produzenten William Fox, der nach DER LETZTE MANN von dem Genie des deutschen Regisseurs überzeugt ist, einen Vertrag abgeschlossen. In New York, wo er auf dem Weg nach Hollywood und zu seinem ersten Filmvorhaben mit Fox, SUNRISE, Station macht, wird er groß gefeiert. Im August desselben Jahres beginnen die Dreharbeiten zu dem Liebesdrama. Der technische Aufwand für diesen Film - Murnau lässt auf dem Gelände der Fox eine ganze Stadt errichten - stellt alles Bisherige in den Schatten. Die völlige finanzielle und künstlerische Freiheit Murnaus bei der Produktion des Filmes werden legendär. SUNRISE erhält begeisterte Kritiken und wird mit drei Acadamy Awards ausgezeichnet, in finanzieller Hinsicht ist der Film jedoch ein absoluter Misserfolg. Bei Fox machen sich Zweifel breit, ob Murnau mit seinem nächsten Film die Breite des amerikanischen Publikums erreichen kann.
Über die Forderung, beim Inhalt des Filmes mehr auf das Publikum einzugehen, ist Murnau enttäuscht. 1927 kehrt Murnau für kurze Zeit nach Berlin zurück, um einen letzten Film für die Ufa zu inszenieren, doch das Projekt zerschlägt sich. Zurück in Hollywood bereitet sich Murnau intensiv auf seinen nächsten Film FOUR DEVILS (1928) vor, den er mit einer frei beweglichen Kamera drehen möchte. Zu diesem Zweck lässt er sich einen Wanderkran mit einer Plattform zum Schwenken der Kamera bauen. Doch sein Vorhaben kann nicht wie von ihm geplant realisiert werden. Er muss den Schluss des Filmes erneut drehen, um ihm etwas von seiner Tragik zu nehmen.

Auch bei dem nächsten Projekt OUR DAILY BREAD/CITY GIRL (1929/30) kommt es zu Unstimmigkeiten mit Fox. Murnau ist nicht länger zu Kompromissen bereit und kündigt seinen Vertrag. Er macht sein Kapitänspatent, kauft sich eine Jacht und möchte sein Leben ändern. Gemeinsam mit dem Dokumentarfilmer Robert Flaherty beschließt er, weit entfernt von Hollywood einen Film in der Südsee zu realisieren – TABU. Der Vertrag wird mit der jungen Produktionsfirma Colorart geschlossen. Begeistert macht sich Murnau im Frühjahr 1929 mit seiner Jacht auf den Weg nach Tahiti, Flaherty bleibt zurück, um die endgültige Finanzierung zu regeln, kommt aber mit leeren Händen in die Südsee, da Colorart zahlungsunfähig ist. So beginnen die beiden Regisseure die Dreharbeiten ohne gesicherte Finanzierung, vielmehr bestreitet Murnau die Arbeiten aus seinen eigenen letzten Ersparnissen. Aufgrund der angespannten finanziellen Situation und unterschiedlicher konzeptioneller Vorstellungen kommt es schließlich zum Bruch zwischen Flaherty und Murnau. Letzterer stellt die Dreharbeiten alleine fertig und kehrt anschließend nach Hollywood zurück. Um den Film schneiden und vertonen zu können, muss er sich hoch verschulden, doch er hat Glück - Paramount ist an dem Film interessiert und bietet Murnau einen Verleihvertrag an.

Murnau plant, nach Tahiti zurückzukehren, um weitere Filmprojekte zu realisieren. Außerdem möchte er nach Europa, um die Entwicklung des deutschen Tonfilms zu studieren. Er kann seine Pläne jedoch nicht mehr in die Tat umsetzen, genauso wenig erlebt er die Premiere seines Filmes TABU. Bei einem Autounfall auf der Fahrt von Hollywood nach Monterey verunglückt Murnau schwer und stirbt am 11. März 1931 an den Unfallfolgen im Krankenhaus von Santa Monica. Sein Leichnam wird nach Deutschland überführt und auf dem Waldfriedhof Stahnsdorf bei Berlin beigesetzt.

Friedrich Wilhelm Murnau
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